
Traditionelle Ansätze der Gutachtensteuerung stoßen zunehmend an ihre Grenzen. Innovative Investment- und Asset Manager sowie Kapitalverwaltungsgesellschaften setzen deshalb auf digitale Plattformen. Praxisbeispiele zeigen, dass sich Abläufe dadurch deutlich transparenter und effizienter gestalten lassen.
Wachsende Herausforderungen in der Fondsbewertung
Die Bewertung von Immobilienfonds hat sich in den vergangenen Jahren spürbar verändert. Steigende regulatorische Anforderungen, eine wachsende Zahl an Bewertungsanlässen und anhaltender Kostendruck erhöhen die Komplexität. Kapitalverwaltungsgesellschaften, Investment- und Asset Manager müssen zahlreiche Gutachten parallel steuern, interne sowie externe Beteiligte einbinden und zugleich die hohen Ansprüche von Investoren und Aufsichtsbehörden erfüllen. Traditionell beruht die Organisation solcher Prozesse noch auf Tabellen, E-Mails und Einzeldokumenten. Das führt zu hohem Abstimmungsaufwand, Medienbrüchen und eingeschränkter Übersicht. Wertvolle Kapazitäten fließen in administrative Tätigkeiten, statt in Analyse, Steuerung oder strategische Entscheidungen.
Digitale Plattformen als Lösungsprinzip
Digitale Plattformen eröffnen die Möglichkeit, Bewertungsprozesse ganzheitlich neu zu gestalten. Alle Schritte von der Beauftragung über die Kommunikation bis hin zur Qualitätssicherung laufen in einem zentralen System zusammen. Kapitalverwaltungsgesellschaft, Asset Manager und externe Dienstleister greifen auf dieselbe, aktuelle Datenbasis zu und können ihre Aufgaben koordiniert erledigen. Parallele Tabellen, E-Mail Schleifen oder Mehrfachablagen entfallen.
Die Plattform macht Prozesse transparent: jederzeit ist erkennbar, in welchem Stadium sich ein Gutachtenauftrag befindet und welche Aufgaben bereits erledigt sind. Standardisierte Workflows überwachen Fristen, versenden automatische Erinnerungen und sichern die revisionssichere Ablage.
Gleichzeitig lassen sich Prüfschritte in der Plausibilisierung durch die Integration von Marktdatenbenchmarks digital unterstützen. Ergänzend eröffnet eine Plattform die Möglichkeit, Marktszenarien systematisch zu simulieren: Zinsänderungen, Mietentwicklungen oder andere Einflussfaktoren lassen sich variabel kalkulieren, um Auswirkungen auf Objekte und Portfolios frühzeitig zu erkennen.

Mehrwerte in der Praxis
Im operativen Einsatz zeigen sich vor allem Fortschritte bei Transparenz, Nachvollziehbarkeit und der strukturierten Steuerung von Bewertungsprozessen. Teams behalten den Überblick über laufende Aufträge, reduzieren Abstimmungsaufwand und profitieren von automatisierten Prozessschritten. Für das Portfolio-, Asset- oder Valuationmanagement entstehen klarere Abläufe, konsistente Daten und weniger Schnittstellenverluste. Externe Gutachter erhalten einheitliche Briefings und greifen auf dieselbe Informationsgrundlage zu, was die Zusammenarbeit deutlich effizienter macht.
Zugleich stärkt die Plattform die systematische Qualitätssicherung: Fristen und Dokumentation sind zuverlässig abgebildet, Plausibilitätsprüfungen mit Marktbenchmarks machen Auffälligkeiten frühzeitig sichtbar. Darüber hinaus lassen sich Asset- und Marktdaten kombinieren, um Szenarien zu analysieren und deren Auswirkungen auf Objekte und Portfolios zu bewerten. Damit entwickelt sich die Bewertung über eine reine Pflichtaufgabe hinaus und wird zu einem Instrument, das das Portfolio- und Assetmanagement aktiv in der Steuerung unterstützt.
Grundlage für weitere Innovationen
Digitale Plattformen sind weit mehr als ein Werkzeug zur Prozessoptimierung. Sie schaffen eine verlässliche Datengrundlage und eine klare Struktur, auf der sich künftige Entwicklungen aufbauen lassen. Damit entsteht eine flexible Infrastruktur, die sich kontinuierlich erweitern und an neue Anforderungen anpassen kann. So wird die Plattform zum Fundament der Bewertung, die nicht nur heute leistungsfähig ist, sondern auch langfristig zukunftssicher bleibt.
Der Originalartikel "Bewertgprozesse digital steuern" von Dr. Christina Mauer, ist am 12.11.2025 im Fondsforum Magazin erschienen.
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